Gisela Schäfer
Worte und Bilder die berühren
 

Gedichte

Februar 2024

Schneeglöckchen

Es war nicht kalt genug der Winter,
und wir vermissten Schnee und Eis.
Meist sah man rings nur Grau so trübe,
nicht das geliebte Winter-Weiß.

Fast täglich gab es Regenschauer,
und ringsum standen Wasserpfützen.
Es war zu hoch die Temp’ratur,
und oftmals trug man nicht mal Mützen.

Missmutig waren die Gesichter ,
Enttäuschung schlich sich ein ganz leis’,
doch eines Tages strahlt die Sonne:
Im Garten leuchtet’s zart und weiß.

Ist auch das Wetter unerfreulich,
so wächst das kleine Blümlein schon.
Sein Glöckchen schaukelt sanft im Winde
mit unhörbarem Frühlingston.
.


Januar 2024

Rheinland-Winter
Morgen
Dicke Wolkenschimmel
an dem Winterhimmel
schütten Flocken aus
über Land und Haus,
Mengen, ungezählt,
Himmel Erd’ vermählt.
Wie sie tanzen,  stürmisch wild!
Zauberhaftes Bild!


Mittag
Schimmel ziehen weiter,
Himmel zeigt sich heiter.
Flockentanz vorbei,
Sicht ist klar und frei:
alles weiß bemalt.
Sonnenschein erstrahlt,
küsst den Boden warm und mild.
Wunderbares Bild!

Abend
Himmel, grau verhangen,
weißer Traum vergangen,
Regen prasselt nieder.
Aus die Winterlieder!
Ach, wohin ich seh’,
nirgends mehr liegt Schnee.
Winter dauert – meine Klag’! –
einen halben Tag.

© Gisela Schäfer



Dezember 2023
WEihnachten ist nah

Christbäume 
erhellen die großen Plätze
in den Städten

Lichterketten
in den Vorgärten
zeigen weihnachtliche Figuren an

Schaufenster
vor den Geschäften
beleuchten Kaufangebote

Wäre es doch auch so strahlend hell
in den Herzen der Menschen -
überall auf der Welt!



November 2023
Düstere Zeiten

Immer schon war der November

der trübste Monat des Jahres

mit früher Dunkelheit,
unfreundlichem Wetter,
zunehmender Kälte
und Verlust aller Farben.
Doch dahinter strahlten
uns schon Kerzenglanz und
Weihnachtsfreude entgegen.
Und dieses Jahr?
Kann man angesichts
von Krieg und Tod
das Dunkel überwinden?


Oktober 2023
Wo bleibt der goldene Oktober?

Schon viele Tage warte ich
auf das leuchtende Okrobergold,
das die Gesichter wieder
freudig lächeln lässt.
Es will sich nicht recht einstellen.
Doch kann man das nicht verstehen?
Kann die Natur glücklich strahlen,
wenn es ihr immer schlechter geht?
Kann sie mit Farben bezaubern,
wenn es düster für sie aussieht???


September 2023
Sommer vorbei

Wie sehnten wir uns
nach frischem Grün,
nach Helligkeit und Wärme,
nach Blumen und Blüten,
nach Entfalten und Gedeihen,
nach Reifen und Ernten.
Ja, wir durften das alles
erleben und genießen,
das Wiedererwachen,
das Voranschreiten,
das Wachsen und Aufblühen,
das Fruchtbringen.
Jetzt ist das Getreide
längst abgeerntet,
die Felder sind gepflügt.
Leer sieht es aus.
Zuckerrüben und Mais
warten noch.
Wehmut schleicht sich ein,
dass es wieder auf die
kalte Jahreszeit zugeht.
Nein, ich will nicht traurig sein.
Das Leben ist ein Auf und Ab.
und es wird immer wieder Sommer.


August 2023
Sonne, wer bist du?

Du schenkst uns Licht
und spendest Wärme,
lässt die Blumen blühen
und die Früchte reifen.
Sonne, Freundin!

Du entzündest Brände,
lässt die Pflanzen verdorren
trocknest Flussläufe aus,
lässt qualvoll verdursten.
Sonne, Feindin!


Juli 2023

Um die Stimme des Herzens zu hören,
braucht es weder Lautsprecher noch Kopfhörer,
nur innere Stille.


Juni 2023
Gib nicht auf

So oft
geht das Vertrauen verloren,
Erwartung wird enttäuscht,
die Hoffnung zerfällt,
du fühlst dich wie Gras,
das niedergetrampelt wird.
Aber
das Gras richtet sich wieder auf.
Vertraue weiter, erwarte weiter
hoffe weiter, sei positiv,
du bist stärker als Verlust,
Enttäuschung und Zerfall.


Mai 2023
Lebenserfahrung

Die Eierschalenreste
zurückgelassen
ungeduldig
hinausgeschlüpft
voll hungriger Erwartung
mit ausgebreiteten Armen
Lust und Lebensfreude
aus dem Füllhorn
der Fortuna
aufgesogen
doch die Göttin
spielte oft
ein falsches Spiel
und lieh ihr Füllhorn
der Gegenspielerin Ate
die statt Zungensüße
bitteren Wermut
ausschüttet


April 2023
Frühling, Fest der Sinne

 

Ich sehe

das Grün der Blätter
die Blumen- und Blütenpracht
die Sonnenstrahlen
Ich höre
Vogelgezwitscher
Blätterrauschen
das Summen der Bienen
Ich rieche
Morgenfrische
Frühlingsatmen
Fliederduft
Ich fühle
den Hauch des Windes
die Wärme der Sonne
das Einssein mit der Natur
Ich ertaste
das neue, zarte Laub
den warmen Erdboden
die Kühle des Morgentaus
Ich schmecke
das klare Wasser
die Frische des Morgens
den Kuss der Sonne


März 2023
Die Zeit

Gestern fielen dir Sterne ins Haar
und funkelten erwartungsvoll
auf deinem taufrischen Körper.
Heute wischst du dir den Staub aus dem Gesicht
und schaust wehmütig nach dem Schein
der sinkenden Sonne.
Morgen schon wird vielleicht
der letzte Schimmer des Abendrotes
vergangen und vergessen sein.


Februar 2023
Komm, Schlaf!

Dunkelheit ist niedergefallen.
Das allzu laute Ticken der Uhr
zerhämmert die Stille im Haus.
Eben schon umfing mich Freund Schlaf,
da riss mich ein lautes Geräusch aus seinen Armen.
Nun ist er verschwunden.
Ich spüre ihn nicht mehr.
Das Schäfchenzählen nimmt kein Ende.
785, 786...
Endlich, endlich
naht der Gesuchte wieder,
legt schwer die Hand auf meine Augen
und meine Glieder
und zieht das Tuch des Vergessens
über meine Gedanken.
Ich sinke...


Januar  2023
Ungeliebter Freund

 

Schmerz,

du wärst unser Freund, wurde mir gesagt,
weil du mit dem Finger darauf deutest,
wo etwas nich in Ordnung ist.
Ohne dich könnten wir nichts ändern,
weil wir gar nicht wüssten,
wo etwas aus dem Ruder läuft.
Trotzdem, Schmerz,
kannst  du nicht erwarten,
dass ich dich lobe und preise
und mich bei dir bedanke.
Ich will nur eins:
dass du aufhörst, mich zu quälen.
Deine Freundschaft mag ich nicht.


 

Für die Jahre 2020, 2021, 2022…

Coronazeit


Wie‘s mir ergeht, so ist es wohl bei allen:
Nichts ist mehr so, wie es seit Zeiten war,
aus der Normalität sind wir gefallen.
Wie lang wird‘s dauern, Wochen, Monat‘, Jahr‘?

Es war so selbstverständlich, dieses Leben
mit Urlaub. Reisen, Spiel und Lustbarkeit.
Es hat ja Spaß und Abwechslung gegeben,
was man sich wünschte, wurde Wirklichkeit.

Man traf sich oft für das, was Freude machte,
man speiste, trank, genoss den Alkohol,
man feierte und schlemmte, und man lachte,
bei ständigem Genuss fühlt‘ man sich wohl.

Dann kam das Virus, warf uns aus der Bahn,
ganz winzig klein und doch von großer Macht.
Ist dies gescheh‘n nach hohem Schöpfungsplan?
Man weiß es nicht, doch hat‘s uns Angst gemacht.

Global ist die Gefahr. Kann man entrinnen?
Es sind so stark die Egoismus-Triebe.
Vielleicht muss sich der Mensch nur mal besinnen
auf Menschlichkeit, Verständnis und auf Liebe.

© Gisela Schäfer